Arbeitskreis Jodmangel

Montag, 4. Juni 2007

Gender Studies: Frauen und Jodmangel

Neulich fiel mir auf, dass der Arbeitskreis Jodmangel auf seiner Website (www.jodmangel.de) ausschließlich Fotos von Frauen verwendet, eins der angebotenen Pressefotos zeigt auch zwei Schulkinder. Fotos von mehr oder weniger kropfigen Männern habe ich dort nirgends gefunden.

Die Realität sieht etwas anders aus – ein Jodmangelkropf kommt bei Männern häufiger vor. Frauen tragen dagegen ein erhöhtes Risiko, durch eine allzu kräftige Jodzufuhr an Hashimoto - möglicherweise auch an Basedow - zu erkranken oder die Symtome durch jodreiche Nahrung zu verschlimmern. Fast jede fünfte Frau hat Schilddrüsen-Antikörper im Blut, die wenigsten wissen es und glauben womöglich, mit Jodsalz auf der sicheren Seite zu sein.

Warum also Fotos von Frauen in der Jodierungs-PR? Zumindest unter Marketing-Aspekten scheint mir das halbwegs erklärbar: Traditionell sind in der Familie die Frauen für die Ernährung verantwortlich. Und Frauen befassen sich intensiver als Männer mit Gesundheitsthemen und kaufen mehr (teilweise jodhaltige) Nahrungsergänzungsmittel. Auch die Öffentlichkeitsarbeit des AK Jodmangel über Gesundheits- und Frauenmagazine dürfte mehr Frauen als Männer erreichen. Oder warnen auch Playboy und Men’s Health ihre Leser vor drohendem Jodmangel?

Montag, 14. Mai 2007

AK Jodmangel bei Wikipedia und Google

Neuerdings gibt es einen Wikipedia-Eintrag über den Arbeitskreis Jodmangel, der das Wichtigste über diese Lobby zusammenfasst. Wenn man bei Google nach dem Arbeitskreis Jodmangel sucht, ist der Wikipedia-Eintrag auf dem vierten Platz.

Bald danach folgt die Rubrik "Arbeitskreis Jodmangel" dieses Weblogs. Trotz der guten Plazierung ist bisher erst eine einzige derartige Suchanfrage hier aufgeschlagen. Anscheinend werden die Pressemitteilungen der rührigen Lobby gerne ohne zusätzliche Recherche verbreitet.

Samstag, 5. Mai 2007

Zu Befehl, Arbeitskreis Jodmangel!

Beim Stöbern in den archivierten Seiten des AK Jodmangel habe ich nicht nur das langlebige Eiszeitmärchen gefunden, sondern auch Einträge, deren Tonfall doch etwas verwundert:

Beim Einkauf in Bäckerei und Metzgerei sind mit Jodsalz hergestellte Produkte zu bevorzugen. Gleiches gilt bei der Auswahl von Fertiggerichten, Tiefkühlware, Fertigsaucen und anderen vorgefertigten Produkten (Zutatenverzeichnis beachten). Beim Außer-Haus-Verzehr ist ebenfalls darauf zu achten, ob die Speisen mit Jodsalz zubereitet wurden. (hier)

Erstaunlich, dass sich von diesen autoritären Anweisungen überhaupt jemand dazu bewegen ließ, jodierte Produkte zu erwerben... Jetzt frage ich mich, wer das wohl getextet hatte.

Freitag, 4. Mai 2007

Das Eiszeitmärchen vom Jodmangelgebiet

Deutschland ist ein Jodmangelgebiet, weil das Schmelzwasser der Gletscher vor 10.000 Jahren das gute Jod aus den Böden ausgeschwemmt hat - so wurde es jedenfalls vom Arbeitskreis Jodmangel erzählt (und von etlichen Medien übernommen), um die Menschen zum Kauf von Jodsalz zu bewegen.

Im Jahr 2004 befragte ein Journalist den Geochemiker Ulrich Siewers der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:

Dass abschmelzende Gletscher gegen Ende der jüngsten Vereisung, also vor etwa 10000 bis 12000 Jahren, das Jod aus dem Boden ausgewaschen haben sollen, sei größtenteils »Quatsch«, sagt der Fachmann. Jod sei immer schon durch jede Art von Niederschlag aus den Böden entfernt worden. Wo Gletscher schmelzen, kann das auch durch tauendes Eis geschehen – sofern freilich die Sedimente unter den Eiskappen und -zungen überhaupt Jod enthalten. (...) Wasserlösliches Jodid reichere sich in den Weltmeeren schon seit Ewigkeiten an, nämlich seit sich vor Hunderten Millionen Jahren auf der Erdkruste Ozeane gebildet haben, in die Flüsse und Winde jodhaltige Sedimente verfrachten.

Und so musste damals Professor Roland Gärtner vom Arbeitskreis Jodmangel einräumen, dass die schöne Geschichte nur deshalb im Umlauf war, weil sie einer vom anderen abgeschrieben hatte, ohne wissenschaftlich zu recherchieren.

Auf der Website des AK Jodmangel (www.jodmangel.de) ist das Eiszeitmärchen nicht mehr online. (Nachtrag: Die Fassung von Januar 2006 (!) ist archiviert.) Und die Papillon-Studie bezieht sich bis heute darauf. Diese Studie und die vom Arbeitskreis Jodmangel empfohlene "Schilddrüsenwoche Papillon" erwecken bei mir den Eindruck, als seien sie in erster Linie auf Krankheiten abgestimmt, die sich mehr oder weniger auf Jodmangel zurückführen lassen. Dabei fallen auch gewisse Vereinfachungen auf: "Eine Blutuntersuchung hilft bei der Diagnose nur bedingt weiter, da die Blutwerte bei einer vergrößerten Schilddrüse normal sind." Doch das stimmt gar nicht: Auch bei den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse treten gelegentlich Vergrößerungen auf.

Donnerstag, 26. April 2007

Jod ist gesund, basta!

So möchte man fast eine Gesundheitskolumne auf Zeit.de zusammenfassen, deren Autor die Skeptiker in Sachen Jodprophylaxe als paranoide Spinner hinstellt - der Titel lautet: "Das böse Element". Der Verfasser, der anscheinend ungenannt bleiben möchte, beruft sich in seiner Argumentation auf eine staatliche Behörde:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält die Angst vor einer Überdosis indes für völlig unangebracht: Wer gesund ist und eine tägliche Höchstmengen von 500 µg nicht überschreitet, dem drohen weder "Vergiftungen" noch Schilddrüsen-, oder andere Folgeerkrankungen. (Zitat von Seite 2 des Artikels)

Diese Argumentation findet sich auch in einem PDF-Dokument, das seit knapp drei Jahren online ist. Auch der AK Jodmangel (www.jodmangel.de) stützt sich auf diese Aussagen.

Arbeitskreis Jodmangel...? Dieser Kreis von Medizinern und Ernährungswissenschaftlern betreibt Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Jod, schwört die Bevölkerung auf jodierte Produkte ein und publiziert auch in der Ärztezeitung. Für seine erfolgreiche PR-Arbeit wird der Arbeitskreis von Pharma-Unternehmen und Salzfirmen gefördert, siehe die Firmenliste auf der Website.

Interessantes Detail: Der Leiter der für Nahrungsergänzung zuständigen Abteilung im BfR ist selbst aktives Mitglied im PR-AK Jodmangel. Und so überrascht es nicht wirklich, dass man im BfR davon ausgeht, dass die derzeit praktizierte Jodierung von Lebensmitteln zumindest bei Gesunden keinen gesundheitlichen Schaden anrichten kann...

(Mehr zum Grenzwert von 500 Mikrogramm im folgenden Eintrag.)

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Frauen erkranken wesentlich häufiger an Schilddrüsenerkrankungen.. .
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Anscheinend erscheinen dort andere Dinge als relevanter: http://de.wiki pedia.org/wiki/Das_Erbe_de r_Guldenburgs
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Normales Jod?
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Wenn der Kampf tatsächlich ewig ist, wie der Titel...
beipackzettel - Mai 23, 10:49

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