Das Eiszeitmärchen vom Jodmangelgebiet
Deutschland ist ein Jodmangelgebiet, weil das Schmelzwasser der Gletscher vor 10.000 Jahren das gute Jod aus den Böden ausgeschwemmt hat - so wurde es jedenfalls vom Arbeitskreis Jodmangel erzählt (und von etlichen Medien übernommen), um die Menschen zum Kauf von Jodsalz zu bewegen.
Im Jahr 2004 befragte ein Journalist den Geochemiker Ulrich Siewers der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:
Dass abschmelzende Gletscher gegen Ende der jüngsten Vereisung, also vor etwa 10000 bis 12000 Jahren, das Jod aus dem Boden ausgewaschen haben sollen, sei größtenteils »Quatsch«, sagt der Fachmann. Jod sei immer schon durch jede Art von Niederschlag aus den Böden entfernt worden. Wo Gletscher schmelzen, kann das auch durch tauendes Eis geschehen – sofern freilich die Sedimente unter den Eiskappen und -zungen überhaupt Jod enthalten. (...) Wasserlösliches Jodid reichere sich in den Weltmeeren schon seit Ewigkeiten an, nämlich seit sich vor Hunderten Millionen Jahren auf der Erdkruste Ozeane gebildet haben, in die Flüsse und Winde jodhaltige Sedimente verfrachten.
Und so musste damals Professor Roland Gärtner vom Arbeitskreis Jodmangel einräumen, dass die schöne Geschichte nur deshalb im Umlauf war, weil sie einer vom anderen abgeschrieben hatte, ohne wissenschaftlich zu recherchieren.
Auf der Website des AK Jodmangel (www.jodmangel.de) ist das Eiszeitmärchen nicht mehr online. (Nachtrag: Die Fassung von Januar 2006 (!) ist archiviert.) Und die Papillon-Studie bezieht sich bis heute darauf. Diese Studie und die vom Arbeitskreis Jodmangel empfohlene "Schilddrüsenwoche Papillon" erwecken bei mir den Eindruck, als seien sie in erster Linie auf Krankheiten abgestimmt, die sich mehr oder weniger auf Jodmangel zurückführen lassen. Dabei fallen auch gewisse Vereinfachungen auf: "Eine Blutuntersuchung hilft bei der Diagnose nur bedingt weiter, da die Blutwerte bei einer vergrößerten Schilddrüse normal sind." Doch das stimmt gar nicht: Auch bei den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse treten gelegentlich Vergrößerungen auf.
Im Jahr 2004 befragte ein Journalist den Geochemiker Ulrich Siewers der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe:
Dass abschmelzende Gletscher gegen Ende der jüngsten Vereisung, also vor etwa 10000 bis 12000 Jahren, das Jod aus dem Boden ausgewaschen haben sollen, sei größtenteils »Quatsch«, sagt der Fachmann. Jod sei immer schon durch jede Art von Niederschlag aus den Böden entfernt worden. Wo Gletscher schmelzen, kann das auch durch tauendes Eis geschehen – sofern freilich die Sedimente unter den Eiskappen und -zungen überhaupt Jod enthalten. (...) Wasserlösliches Jodid reichere sich in den Weltmeeren schon seit Ewigkeiten an, nämlich seit sich vor Hunderten Millionen Jahren auf der Erdkruste Ozeane gebildet haben, in die Flüsse und Winde jodhaltige Sedimente verfrachten.
Und so musste damals Professor Roland Gärtner vom Arbeitskreis Jodmangel einräumen, dass die schöne Geschichte nur deshalb im Umlauf war, weil sie einer vom anderen abgeschrieben hatte, ohne wissenschaftlich zu recherchieren.
Auf der Website des AK Jodmangel (www.jodmangel.de) ist das Eiszeitmärchen nicht mehr online. (Nachtrag: Die Fassung von Januar 2006 (!) ist archiviert.) Und die Papillon-Studie bezieht sich bis heute darauf. Diese Studie und die vom Arbeitskreis Jodmangel empfohlene "Schilddrüsenwoche Papillon" erwecken bei mir den Eindruck, als seien sie in erster Linie auf Krankheiten abgestimmt, die sich mehr oder weniger auf Jodmangel zurückführen lassen. Dabei fallen auch gewisse Vereinfachungen auf: "Eine Blutuntersuchung hilft bei der Diagnose nur bedingt weiter, da die Blutwerte bei einer vergrößerten Schilddrüse normal sind." Doch das stimmt gar nicht: Auch bei den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse treten gelegentlich Vergrößerungen auf.
IreneG - Mai 4, 16:07