Fragwürdige Grenzwerte: Wieviel Jod ist gesund?
Das bereits erwähnte Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die EU-Kommission gehen davon aus, dass eine Jodzufuhr von rund 500 Mikrogramm (µg) pro Tag zumindest gesunden Menschen nicht schaden kann.
Diese Argumentation hat mehrere Schwachstellen:
Die Bevölkerung besteht nicht nur aus gesunden Menschen, staatlich empfohlene Grenzwerte sollten auch Kranke bedenken. Sogar der Arbeitskreis Jodmangel räumt ein, dass Menschen, die an Hashimoto-Thyreoiditis (eine chronische, autoimmune Schilddrüsen-Entzündung) erkrankt sind, "eine sehr hohe Jodzufuhr (über 300 µg pro Tag) zu einer Erhöhung der entzündlichen Aktivität in der Schilddrüse führen" kann (hier).
Aber niemand weiß so genau, wie hoch der Jodgehalt der täglichen Nahrung wirklich ist. Für das jodierte Speisesalz ist er zwar gesetzlich limitiert, aber es kommen noch weitere, teils kaum bekannte Jodquellen hinzu, so muss der Jodgehalt des Mineralwassers in Deutschland nicht deklariert werden.
Die größte Unbekannte ist wohl die Jodierung des Viehfutters weit über den tierischen Bedarf hinaus: Überschüssiges Jod scheiden die Nutztiere nicht nur mit dem Urin, sondern auch mit der Milch oder den Eiern aus, und so gelangt es in die menschliche Nahrung. Die Konzentrationen sind nicht näher bekannt, Angaben in Lebensmitteltabellen sind meist veraltet.
Die deutsche Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel hat immerhin bei Einzelmessungen festgestellt, dass der Jodgehalt deutscher Milch in einer Größenordnung von 200 bis 300 µg pro Liter liegt (wo ja laut AK Jodmangel "eine sehr hohe Jodzufuhr" für Hashimoto-Patienten beginnt). Der Gehalt aber auch deutlich höher oder niedriger ausfallen, je nach Fütterung und Jahreszeit.
Unter diesen Umständen scheint es mehr als fragwürdig, dass der genannte Grenzwert von 500 µg im Alltag annähernd eingehalten wird. - Fortsetzung hier unten.
Diese Argumentation hat mehrere Schwachstellen:
Die Bevölkerung besteht nicht nur aus gesunden Menschen, staatlich empfohlene Grenzwerte sollten auch Kranke bedenken. Sogar der Arbeitskreis Jodmangel räumt ein, dass Menschen, die an Hashimoto-Thyreoiditis (eine chronische, autoimmune Schilddrüsen-Entzündung) erkrankt sind, "eine sehr hohe Jodzufuhr (über 300 µg pro Tag) zu einer Erhöhung der entzündlichen Aktivität in der Schilddrüse führen" kann (hier).
Aber niemand weiß so genau, wie hoch der Jodgehalt der täglichen Nahrung wirklich ist. Für das jodierte Speisesalz ist er zwar gesetzlich limitiert, aber es kommen noch weitere, teils kaum bekannte Jodquellen hinzu, so muss der Jodgehalt des Mineralwassers in Deutschland nicht deklariert werden.
Die größte Unbekannte ist wohl die Jodierung des Viehfutters weit über den tierischen Bedarf hinaus: Überschüssiges Jod scheiden die Nutztiere nicht nur mit dem Urin, sondern auch mit der Milch oder den Eiern aus, und so gelangt es in die menschliche Nahrung. Die Konzentrationen sind nicht näher bekannt, Angaben in Lebensmitteltabellen sind meist veraltet.
Die deutsche Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel hat immerhin bei Einzelmessungen festgestellt, dass der Jodgehalt deutscher Milch in einer Größenordnung von 200 bis 300 µg pro Liter liegt (wo ja laut AK Jodmangel "eine sehr hohe Jodzufuhr" für Hashimoto-Patienten beginnt). Der Gehalt aber auch deutlich höher oder niedriger ausfallen, je nach Fütterung und Jahreszeit.
Unter diesen Umständen scheint es mehr als fragwürdig, dass der genannte Grenzwert von 500 µg im Alltag annähernd eingehalten wird. - Fortsetzung hier unten.
IreneG - April 27, 11:02
Fortsetzung: Wieviel Jod ist gesund?
Im Herbst 2005 wurde dann per EU-Verordnung der maximale Jodgehalt im Tierfutter für Hühner und Kühe halbiert (Verordnung Nr. 1459/2005 vom 8. September 2005). Doch auch mit den neuen Grenzwerten wären bei voller Ausreizung noch bedenklich hohe Jodkonzentrationen von rund 1000 µg pro Liter Milch erreichbar, wie man aus den Fütterungsversuchen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) schließen kann. Siehe auch Ernährungs-Umschau 53 (2006) Heft 1.