Samstag, 30. Juni 2007

Jodmangel in der Nordsee?

Manchmal esse ich zwischendurch einen Teller Bratkartoffeln oder eine Tüte Pommes Frites, wenn ich unterwegs bin. Deshalb habe ich neulich eine Frau hinter der Nordsee-Theke gefragt, ob man im Fischrestaurant mit Jodsalz kocht. Sie meinte: Ja, mit Jodsalz. Tja, dann muss ich leider draußen bleiben.

Das ist schon erstaunlich: Seefisch ist nach den Meeresalgen eines der jodreichsten Nahrungsmittel, und dennoch behandelt das Nordsee-Restaurant seine Speisen anscheinend mit dem nur mäßig verträglichen Kaliumjodat. Hat man neuerdings so wenig Vertrauen in den eigenen Fisch?

Dazu fällt mir nur noch eine Polemik von Udo Pollmer ein:

Neuerdings leidet auch der Seefisch unter Jodmangel. Deshalb reicht er nicht mehr zur Deckung des einmal beschlossenen Jodbedarfs aus. Die amtliche Begründung klingt nobelpreisverdächtig: Die Jodgehalte der Flossentiere würden je nach Art und Fanggebiet stark schwanken. Es mag angehen, dass Schollen mehr Jod enthalten als Schellfische. Aber wie erklärt sich der Jodmangel in einzelnen Fanggebieten? Die Experten glauben allen Ernstes, dass sich das Jod im Wasser ungleichmäßig verteile. Vielleicht macht es ja Ferien in der Antarktis...

Deutschlandradio Kultur: Jod - vom Mangel zum Überschuss
Der Text wurde entnommen aus dem Buch "Prost Mahlzeit! Krank durch gesunde Ernährung", Verlag Kiepenheuer & Witsch.

Montag, 4. Juni 2007

Gender Studies: Frauen und Jodmangel

Neulich fiel mir auf, dass der Arbeitskreis Jodmangel auf seiner Website (www.jodmangel.de) ausschließlich Fotos von Frauen verwendet, eins der angebotenen Pressefotos zeigt auch zwei Schulkinder. Fotos von mehr oder weniger kropfigen Männern habe ich dort nirgends gefunden.

Die Realität sieht etwas anders aus – ein Jodmangelkropf kommt bei Männern häufiger vor. Frauen tragen dagegen ein erhöhtes Risiko, durch eine allzu kräftige Jodzufuhr an Hashimoto - möglicherweise auch an Basedow - zu erkranken oder die Symtome durch jodreiche Nahrung zu verschlimmern. Fast jede fünfte Frau hat Schilddrüsen-Antikörper im Blut, die wenigsten wissen es und glauben womöglich, mit Jodsalz auf der sicheren Seite zu sein.

Warum also Fotos von Frauen in der Jodierungs-PR? Zumindest unter Marketing-Aspekten scheint mir das halbwegs erklärbar: Traditionell sind in der Familie die Frauen für die Ernährung verantwortlich. Und Frauen befassen sich intensiver als Männer mit Gesundheitsthemen und kaufen mehr (teilweise jodhaltige) Nahrungsergänzungsmittel. Auch die Öffentlichkeitsarbeit des AK Jodmangel über Gesundheits- und Frauenmagazine dürfte mehr Frauen als Männer erreichen. Oder warnen auch Playboy und Men’s Health ihre Leser vor drohendem Jodmangel?

Mittwoch, 30. Mai 2007

Jodprophylaxe beim Kanarienvogel

Mal was ganz Anderes: Die Nachbarn vom Plazeboalarm haben bei Trill nachgefragt, was es mit den Jod-S11-Körnchen auf sich hat. Ob die wohl eine deutsche Spezialität sind?

Freitag, 25. Mai 2007

Schilddrüse und Körpergewicht

Eine Ergänzung zu meinem Eintrag über Gewichtsprobleme: Jod, Schilddrüse und Körpergewicht hat Prof. Lothar-Andreas Hotze bereits in seinem Newsletter 12/6 behandelt. Demnach gibt es eine klare Korrelation zwischen dem Schilddrüsen stimulierenden Hormon TSH und dem BMI.

Mittwoch, 23. Mai 2007

Ein Veranstaltungstipp für Berlin

Infoabend der Gruppe "Jodsensibel" mit Prof. Hengstmann

Donnerstag, 31. Mai 2007, von 17:45 bis 20 Uhr

Schilddrüse – vom Kampf gegen den Kropf über die allgemeine Jodprophylaxe zur Autoimmun–Erkrankung

Prof. Jürgen Hengstmann, Endokrinologe und Schirmherr der Selbsthilfegruppe Jodsensibel ?!, verdeutlicht an TV–Mitschnitten der letzten zehn Jahre die Entwicklung seines Standpunktes. Er gehört heute zu den entschiedenen Befürwortern einer umfassenden Deklarationspflicht für Jodzusätze. >> Flyer als PDF

Kontakt: Kali Balcerowiak, Tel. 030 / 345 32 58

Dienstag, 15. Mai 2007

Deutscher Aktionismus gegen Übergewicht

Letzte Woche wurde ganz schön dick aufgetragen: "Fit statt fett" und ähnliche Beleidigungen wurden verbreitet, weil die Bundesregierung ihren Aktionsplan vorgestellt hatte.

Mehr Bewegung und gesünderes Essen sollen die Kilos schwinden lassen - bei dieser simplen Logik hat man offenbar nicht an die Unterfunktion der Schilddrüse gedacht. Die bringt es nämlich oft mit sich, dass Menschen zunehmen, obwohl sie eher wenig Appetit haben. Und die Störung wird von Hausärzten häufig übersehen oder falsch behandelt, zum Beispiel mit Jodtabletten.

Häufigste Ursache für Unterfunktionen ist nämlich nicht der viel beschworene Jodmangel, sondern die noch wenig bekannte Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis. In den USA haben rund 10 % der Bevölkerung Antikörper gegen die Schilddrüse im Blut, für Mitteleuropa gibt es keine Zahlen, aber Endokrinologen gehen davon aus, dass es hier nicht viel anders aussieht. Vorhandene Antikörper bedeuten zwar nicht zwingend, dass man krank wird. Aber je höher der Jodgehalt der Nahrung, desto größer ist das Risiko - das zeichnet sich seit einigen Jahren ab. (Der Arbeitskreis Jodmangel will von diesen Nebenwirkungen einer allzu großzügigen Jodzufuhr lieber nicht so viel hören.)

ORF: Zuviel Jod? Zahl der Schilddrüsenerkrankungen steigt

Hashimoto-Thyreoidits wird häufig von einer Diabetes-Erkrankung begleitet - eine Krankheit, die der Aktionsplan als Folge von Übergewicht und Fehlernährung erwähnt.

Ach - individuell passende Ernährung und Prophylaxe, wo kämen wir da hin! Da müsste ja jeder Mensch ernst genommen werden und am Ende eine Extrawurst gebraten bekommen! Da behandelt man lieber weiter den virtuellen Volkskörper und ignoriert oder beleidigt alle, die nicht ins Schema passen.

>> Nachtrag zum Thema Schilddrüse und Körpergewicht

Montag, 14. Mai 2007

Bundes-Zwangsschnuller, Baby!

Vorratsdatenspeicherung, Gefahrenabwehr à la Schäuble, Fettverbot... Mama Merkel macht Deutschland zum Kindergarten. Demnächst kommt noch der Bundes- Zwangsschnuller für alle. Der zwanghafte Drang zur besserwisserischen Bemutterung scheint mir auch der gar nicht mal so kleine gemeinsame Nenner von SPD, Union und SED zu sein. (Zitat aus dem Weblog Elektrosmog)

Der Zwangsschnuller ist längst da: Er heißt Jodprophylaxe.

AK Jodmangel bei Wikipedia und Google

Neuerdings gibt es einen Wikipedia-Eintrag über den Arbeitskreis Jodmangel, der das Wichtigste über diese Lobby zusammenfasst. Wenn man bei Google nach dem Arbeitskreis Jodmangel sucht, ist der Wikipedia-Eintrag auf dem vierten Platz.

Bald danach folgt die Rubrik "Arbeitskreis Jodmangel" dieses Weblogs. Trotz der guten Plazierung ist bisher erst eine einzige derartige Suchanfrage hier aufgeschlagen. Anscheinend werden die Pressemitteilungen der rührigen Lobby gerne ohne zusätzliche Recherche verbreitet.

Samstag, 5. Mai 2007

Zu Befehl, Arbeitskreis Jodmangel!

Beim Stöbern in den archivierten Seiten des AK Jodmangel habe ich nicht nur das langlebige Eiszeitmärchen gefunden, sondern auch Einträge, deren Tonfall doch etwas verwundert:

Beim Einkauf in Bäckerei und Metzgerei sind mit Jodsalz hergestellte Produkte zu bevorzugen. Gleiches gilt bei der Auswahl von Fertiggerichten, Tiefkühlware, Fertigsaucen und anderen vorgefertigten Produkten (Zutatenverzeichnis beachten). Beim Außer-Haus-Verzehr ist ebenfalls darauf zu achten, ob die Speisen mit Jodsalz zubereitet wurden. (hier)

Erstaunlich, dass sich von diesen autoritären Anweisungen überhaupt jemand dazu bewegen ließ, jodierte Produkte zu erwerben... Jetzt frage ich mich, wer das wohl getextet hatte.

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entmoppelung - Mai 23, 10:49

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